Donnerstag, 25. Mai 2017

Rezension | Der schwarze Thron - Die Schwestern


Kendare Blake | Band 1 von 4 | penhaligon | 14,99€ | OT: Three Dark Crowns | Mai 2017 | 448 Seiten

Sie sind Schwestern. Sie sind Drillinge, die Töchter der Königin. Jede von ihnen hat das Recht auf den Thron des Inselreichs Fennbirn, aber nur eine wird ihn besteigen können. Mirabella, Katharine
und Arsinoe wurden mit verschiedenen magischen Talenten geboren — doch nur, wer diese auch beherrscht, kann die anderen Schwestern besiegen und die Herrschaft antreten. Vorher aber müssen sie ein grausames Ritual bestehen. Es ist ein Kampf um Leben und Tod — er beginnt in der Nacht ihres sechzehnten Geburtstages …

Eine junge Königin steht barfuß auf einem Holzblock, ihre Arme sind weit ausgestreckt.

»So nennen sie euch auf dem Festland. Hexen. [...] Dass ihr Monster wärt, wilde Bestien. Aber du bist kein Monster.«
»Nein. Genauso wenig wie die beiden anderen. Aber das ändert nichts an dem, was wir tun müssen.«
(Seite 305)

Als ich circa im ersten Drittel der Seiten war - eine Zeit, in der ich noch nicht sonderlich mitgerissen war und mir öfter den Klappentext durchgelesen habe, um wieder mein Interesse anzufachen - musste ich immerzu an die Lobstimme von Marissa Meyer auf der Rückseite des Buches denken: "So brutal wie genial - süchtig machend und absolut gruselig."

Brutal? Wenn damit die Idee gemeint ist, wahrscheinlich schon.
Genial? Wenn damit die Idee gemeint ist, wahrscheinlich schon.
Süchtig machend? Zum Ende hin schon, ansonsten eher nicht.
Absolut gruselig? Eigentlich kein bisschen.

Insgesamt konnte ich also nicht ganz das nachvollziehen, was versprochen wurde, aber im Endeffekt ist das gar nicht so schlimm, denn das Buch hielt zwei Dinge bereit, die mich wirklich begeistert haben:
Erstens - die Idee.
Zweitens - das Ende.

Das klingt doch nach gar nicht so schlechten Grundvoraussetzungen, oder?


Kendare Blake liefert in Der schwarze Thron einen überzeugenden Weltenentwurf, der hoffentlich in den Folgebänden noch weiter ausgeprägt wird. Abgesehen von Kriegern und Sehern gibt es drei große Lager: Die Giftmischer, Naturbegabten und Elementwandler und die dazu gehörenden Jungköniginnen, jede in einer anderen Form von Übernatürlichem begabt.
Die Story wird abwechselnd aus allen drei Lagern erzählt, sodass man die drei Schwestern und deren Umfeld gut kennenlernt. Dabei werden die Kapitel geschickt dann abgebrochen, wenn gerade etwas Fesselndes passiert ist und man so irgendwie mit allen Protagonisten mitfiebert. Schon zu Beginn habe ich mich gefragt, welche Königin meine Favoritin wird, aber diese Entscheidung wird dem Leser nicht leicht gemacht - zumindest gegen Ende hin sind meine Sympathien für eine gewisse Kandidatin ein bisschen stärker als für die anderen, also habe ich wohl meine zu unterstützende Anwärterin. Aber wenn ich mir anschaue, wie viele schockierende Wendungen es in Der schwarze Thron gab, wird der Folgeband auch noch einiges auf den Kopf stellen.

Ja, genannter Folgeband wird nach diesem Ende gespannt erwartet, denn die letzten Kapitel sind einfach nur krass. Krasse Wendungen und Offenbarungen, krasse Fragen, die offen bleiben und krasse Spannung. Aber auch wenn ich den letzten 80-100 Seiten ohne zu Zögern fünf Sterne geben würde - die anfänglichen Seiten konnten mich noch nicht wirklich mitreißen. Dass es viele Figuren und noch mehr Infos über sie zu verarbeiten gibt, mag ein Grund gewesen sein, ist für mich allerdings kein Mängel - ich habe lieber einen durchdachten und gut erklärten Weltenbau, in den man sich reinknien muss als eine lieblose Idee, bei der mir auf jeder Seite hunderte Fragen entgegenspringen. Allerdings blieben mir die Charaktere anfangs noch zu blass, als dass sie meine Neugier halten könnten, und das aufregende Geschehen setzt erst schleppend ein. Punktweise gibt es immer wieder spannende Höhepunkte, auf der anderen Seite aber auch ziehende Momente. Diverse Liebesgeschichten spielen eine Rolle, die Gefühle kamen bei mir aber nicht an, weshalb diese Dilemmata eher zu den ziehenden Momenten gehören.

Der flüssige Schreibstil hat mich nicht ausdrücklich beeindruckt, aber die Sprache passt gut in die Atmosphäre und Fantasywelt, somit bin ich zufrieden.

Der schwarze Thron - Die Schwestern weckt mit seiner Idee und den fantastischen Wendungen zum Schluss meine Begeisterung - allerdings hat es eine Weile gebraucht, bis ich gefesselt wurde und wenn die Liebesgeschichten weiterhin mehr Raum einnehmen sollen, könnte man daran auch noch arbeiten. Trotzdem eine Leseempfehlung an Liebhaber von Fantasywelten und diejenigen, die verschiedene Seiten von Charakteren erleben möchten.

3,5 - 4 Sterne




Band 2 One Dark Throne / Die Königin erscheint sowohl im Original als auch auf Deutsch im September 2017

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