Sonntag, 1. Mai 2016

Rezension | Pandora - Wovon träumst du?

Eva Siegmund | Einzelband | cbt | 12,99€ | OT: / | April 2016 | 496 Seiten | Meine Wertung: 3,5/5

Sophie lebt in einer Welt, in der alle durch einen Chip im Kopf jederzeit unbeschwert online gehen können. Als sie erfährt, dass sie adoptiert ist und eine Zwillingsschwester hat, erkunden die Mädchen damit ihre Vergangenheit – und stoßen schon bald auf seltsame Geheimnisse. Ihre Recherchen bringen den Sandmann auf ihre Spur. Er will die Menschheit mithilfe eines perfekt getarnten Überwachungssystems beherrschen, und nur die Zwillinge können ihn und seine allmächtige NeuroLink Solutions Inc. zu Fall bringen. Doch das bringt sie in höchste Gefahr ..

 Der Bahnhof Friedrichsstraße war komplett abgesperrt, als ich ihn erreichte.

Das Cover gefällt mir richtig gut und sieht mit den sanften Farben sehr lieblich aus. In einer Buchhandlung hätte ich auf jeden Fall danach gegriffen, dann jedoch mit anderen Erwartungen an den Inhalt.

Die Idee in Pandora - Wovon träumst du? bietet interessante Möglichkeiten. Das Buch spielt in einer Zukunft, in der die meisten Menschen einen Chip, den Smart Port, implantiert haben, der alle Funktionen eines gewöhnlichen Smartphones ersetzt. Zudem bekommen Träume hier eine machtvolle Bedeutung, denn diejenigen, die sich finanziell nur einen sogenannten WerbePort leisten konnten werden nachts durch ihre Träume zu Kaufentscheidungen beeinflusst. Was noch dahinter steckt, müsst ihr selbst herausfinden. :-)

Die Geschichte wird aus den beiden Perspektiven der neu zusammengefundenen Schwestern Sophie und Liz erzählt. Die beiden sehen zwar fast gleich aus, weisen aber charakterliche Differenzen auf. Liz ist vorlaut, reich und selbstsicher, während Sophie eher das brave, ruhige Mauerblümchen ist. Oft kam mir Sophie auch einfach nur naiv und weinerlich vor, während Liz neugierig und mutig war - zusätzlich zu ihrer oft witzigen Art war eindeutig, wen ich erheblich lieber mochte. Zwar machen beide Mädchen eine Entwicklung durch und auch Sophie beweist Stärke, sodass ich mich teilweise mit ihr anfreunden konnte, doch Liz bleibt ganz klar meine Favoritin.
Gelungen fand ich zudem die Ausarbeitung ihrer Beziehung, nachdem sie ihren Geschwisterteil kennengelernt haben. Ihr Zusammenhalt macht sich immer deutlicher bemerkbar und es ist schön zu lesen, wie die beiden als Geschwister agieren, samt wechselseitigen Aspekten wie Streit und Bewunderung.


Die Handlung besitzt einen strukturierten Verlauf und wird zwischen den alltäglich-gewöhnlichen Passagen von spannungsreichen Abschnitten durchsetzt. Gegen Ende hält sich der Spannungsbogen konstant oben und ich war gebannt, ob und wie sich die Schwester aus der Gefahr hinausmanövrieren können. Dadurch, dass man ab und zu kurze Einblicke aus der Perspektive des Sandmanns höchstpersönlich vorgesetzt bekommt, wird der Verlauf noch aufregender, allerdings konnte mich sein Charakter nicht ganz überzeugen.

Als Kritikpunkt kann ich weiterhin anführen, dass viele Dinge doch recht vorhersehbar sind. Nicht nur im Handlungsverlauf, sondern auch die Rollen der Charaktere, die neu dazukommen. Aber dies ist kaum ein Grund zur Beunruhigung; es wird noch genug im Unbekannten gelassen, dass das Lesen unterhaltsam bleibt.
Was mich deutlich mehr gestört hat, waren die vielen, wenn auch meist kleinen Unglaubwürdigkeiten, die ich der Autorin nicht abgekauft habe. Mal sind es nur einzelne Details, mal verfehlte Klischees. Zudem scheint es mir so, als würden die Schwestern nur durch "perfekte Zufälle" und gerade zum richtigen Zeitpunkt kennengelernte Menschen Fortschritte in ihrer Recherche machen; allein wären sie hilflos.


Die Liebesgeschichte hat mich auch nicht gerade in Begeisterung versetzt, da für mich keine Gefühle herüberkommen. Ich konnte sie aber gut akzeptieren, bis dann die Andeutung einer zweiten gemacht wurde. Klar, es sind zwei Protagonistinnen, deshalb hatte ich es schon befürchtet. "Befürchtet" ist das richtige Wort dafür, denn auf die zweite Liebesgeschichte hätte ich gut verzichten können. Sie wirkt für mich unauthentisch und flach ausgeprägt.

An Eva Siegmunds Schreibstil habe ich nichts auszusetzen. Ich finde ihn nicht herausragend, aber er ist flüssig zu lesen und die Gefühle und Taten der Personen sind nachvollziehbar. Außerdem ist es gelungen, dass sich die Erzählweise in den Perspektivenwechseln unterscheidet, sodass sie die Persönlichkeit der Erzähler widerspiegelt, was ja gerade bei den Unterschieden zwischen Sophie und Liz passend ist.

Pandora - Wovon träumst du? ist eine solide Geschichte mit einer interessanten Idee, in der zumindest eine von zwei Protagonistinnen sympathisch ist. Der Handlungsverlauf bietet immer wieder gelungene Spannungsmomente, jedoch sind mir viele Aspekte zum Beispiel durch Unglaubwürdigkeit negativ aufgefallen.

Kommentare:

  1. Wow, super Rezi
    LG Livia
    Übrigens, würd mich freuen dich bei meiner Verlosung begrüßen zu dürfen.
    www.livias-life-is-style-blog.blogspot.de/2016/05/livias-gewinnspiel-laura-chaplins-buch.html

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  2. Schade, dass diese Vorhersehbarkeit und die Unglaubwürdigkeit so vorhanden sind :/
    Bei mir steht das Buch dennoch weit oben auf meiner Wunschliste :)

    Liebst, Lara.

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  3. Hallo meine liebste Noemi,

    *hach* deine Rezensionen sind einfach so klasse, ich muss dich bzw. deinen Blog echt wieder öfter besuchen!!! Ich bin echt gespannt, wie mir Pandora gefallen wird. Deine Kritikpunkte kann ich natürlich bereits jetzt nachvollziehen. Schade, dass die beiden Mädels manchmal etwas hilflos wirken bzw. nur durch die Hilfe anderer weiter kommen.
    Mal sehen, wie mir die zweite Liebesgeschichte gefallen wird.

    Das Cover finde ich auf jeden Fall traumhaft schön, ich habe echt eine Schwäche für Kleider-Cover *grins*.

    Allerliebste Grüße, Ally

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    1. Liebe Ally, ich freue mich immer über deinen Besuch! Es freut mich auch, dass dir meine Rezensionen gefallen :)<3
      Ich hoffe, du hast viel Freude mit Pandora! Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es dir dann insgesamt gefällt.
      Diese Kleider-Cover werden immer mehr, aber bisher fand ich so gut wie alle total toll :D

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