Sonntag, 10. Januar 2016

Rezension | Windfire

Lynn Raven | Einzelband | cbt | 14,99€ (broschiert) | Dezember 2015 | 464 Seiten | Meine Wertung: 3/5

Las Vegas – inmitten der glitzernden Stadt der Glücksspieler schlägt Jessie sich gerade so durch. Immer knapp bei Kasse, versetzt sie ein kostbares Erbstück. Doch kaum hat der Schmuck den Besitzer gewechselt, poltert ein unberechenbarer Fremder in Jessies Leben: Shane. Und er verlangt genau dieses Amulett von ihr.
Die Begegnung der beiden entfacht ungeahnte Leidenschaft: Feuer trifft auf Wind, Halb-Djinn auf Hexe. Wie echte Gegensätze ziehen sich Jessie und Shane an, stoßen sich ab, und Magie bricht sich Bahn. Schnell wird klar, dass sie gemeinsame Feinde haben. Halb auf der Flucht, halb auf der Suche reisen sie zusammen in die Wüstenstadt Petra, um dort Antworten zu finden – Antworten, die weiter führen als je gedacht.

 Jetlag war die Hölle.

"Für einen kurzen Moment hatte sein Arm meinen gestreift. Haut auf Haut. Es fühlte sich an wie ein Stromschlag, und Sonne auf der Haut. Gleichzeitig."
(Seite 161)

Das Cover gefällt mir ziemlich gut, es wirkt mysteriös und die Goldtupfer sowie der schimmernde Titel machen einen edlen Eindruck.

Windfire war tatsächlich mein erstes Buch von Lynn Raven.
Leider konnte es mich nicht so überzeugen, wie ich erwartet hätte, aber es hat mich auf jeden Fall neugierig auf ihre anderen Werke gemacht.

Hauptproblem: mangelnde Erklärungen.
Schon im ersten Kapitel fangen die Konflikte an. Konflikte zwischen Charakteren, die man noch nicht kennengelernt hat, und Andeutungen, die nicht weiter ausgeführt werden. Der Einstieg ist somit nicht einfach gestaltet; ich habe mich etwa so gefühlt, als wäre ich mitten ins kalte Wasser geworfen worden, ohne überhaupt zu wissen, dass da ein See war.

Trotzdem hat es die Geschichte irgendwie geschafft, mich zu fesseln - zumindest in knapp der ersten Hälfte, die ich unglaublich flüssig lesen konnte, immer in der Hoffnung, doch noch eine aufschlussreiche Bemerkung aufzufassen und endlich den Hintergrund zu begreifen. Jedoch musste ich irgendwann einsehen, dass ich mit dieser Hoffnung falsch lag: Ich hatte noch immer keine Erklärung, als ich auf der letzten Seite angelangt war, stattdessen haben sich die Fragezeichen nur noch mehr gehäuft.
Natürlich hat man das ein oder andere Interessante über die Djinn und Hexen in Windfire erfahren und konnte sich so einen schwachen Umriss der Grundidee ausmalen, doch welcher Kampf schließlich gekämpft werden musste und worum es wirklich ging? Da muss ich ganz ehrlich zugeben, dass das für mich nicht klar geworden ist.

Teilweise "schuld" daran ist auch der Schreibstil. Nicht falsch verstehen, ich mag den Schreibstil, weil er wirklich ungewöhnlich und anders ist, aber ich musste die Sätze oft mehrfach lesen, um mir die Handlung vorstellen zu können. Ein Merkmal sind die vielen Gedankenstriche, Auslassungspunkte und Satzfragmente, die auf den ersten Blick ein unüberschaubares Bild abgeben.

Die Handlung wird abwechselnd von Jessica aus der Ich-Perspektive und von Shane als personaler Erzähler geschildert, zwischendrin gibt es für einzelne Kapitel aber auch andere Charaktere als Erzähler. Da man bei letzteren allerdings auch wieder ins kalte Wasser gestürzt wird, wusste ich nicht, welche Ziele sie verfolgen oder inwiefern sie von Bedeutung sind. Gegen Ende wird es am undurchsichtigsten, weil magische Dinge eine immer wichtigere Rolle spielt und da Magie in den meisten Büchern stets anders dargestellt wird, ist es unabdingbar, das sie zuvor für den Leser erklärt wird. Und das wird sie nicht, jedenfalls nicht verständlich, meiner Meinung nach.
Zudem bleiben zum Schluss einige Fragen offen, Aspekte werden nicht aufgeklärt, was mich zwar nicht riesig gestört hat, aber sicherlich wäre das nicht allzu schwer gewesen.


Das war erstmal genug Kritik - jetzt kommt das Lobenswerte.
Die Liebesgeschichte hat mir super gefallen, was vor allem Shane zu verdanken ist. Mit seinem Humor, lustigen Sprüchen und Beschützerinstinkt mag ich ihn total gerne. Jesse dagegen finde ich zu naiv, außerdem haben mich ihre gedanklichen "Selbstgespräche" genervt, aber der süßen Lovestory hat dies kaum geschadet, weil die Gefühle zwischen den beiden spürbar sind.

Der orientalischer Flair ist ebenfalls zu mir durchgedrungen, die feurige Hitze der Djinn und die stürmischen Windhexen haben eine tolle Atmosphäre erzeugt.
Des Weiteren - und das ist ein wichtiger Punkt - gestaltet sich die Handlung spannend und voller Action. Wenn man von dem verzweifelten Ringen nach Erklärungen absieht, konnte ich das Buch bis auf ein paar Ausnahmen wunderbar flüssig lesen. Es wundert mich selbst etwas, immerhin ist der Schreibstil nicht ganz einfach und man muss sich auf die Details konzentrieren, aber die Seiten sind dann nur dahingeflogen. Diesbezüglich hatte ich also tatsächlich beachtliches Lesevergnügen und das ist auch der Grund, weshalb ich Lynn Ravens andere Werke im Auge behalten werde.

Es wäre gelogen, zu behaupten, dass Windfire mich zweifellos überzeugt hat, denn das Fehlen von essentiellen Erklärungen hat einen enttäuschenden Eindruck hinterlassen. Trotzdem gibt es einiges, das mir sehr gefallen hat und ich bin dennoch froh, dass ich es gelesen habe.
3 von 5

Kommentare:

  1. Kann deinen Kritikpunkten voll und ganz zustimmen! Wenn es mir auch noch einen Ticket besser gefallen hatte. Gerade die Charaktere mochte ich gerne. Aber das so viel unbeantwortet bleibt, hat mich auch gestört. Und es dauert recht lange, bis man einigermaßen mal etwas von der Welt erzählt bekommt.

    Liebe Grüße
    Tina

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    1. Ja, das war schade :( Ich habe jetzt so oft gelesen, dass das viele Leser gestört hat, da sind wir also nicht die einzigen...

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